14
- Januar
2018
Posted By : LAK Bayern
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Zukunft der Landes-ASten-Konferenz Bayern

Die Landes-ASten-Konferenz (LAK) Bayern ist der Zusammenschluss der Studierendenvertretungen aller staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen Bayerns. Hierzu gehören gegenwärtig die 19 Hochschulen für angewandte Wissenschaften, zwölf Universitäten, acht Kunsthochschulen, sieben Privathochschulen sowie die Hochschule für Politik. Mit mehr als 390.000 Studierenden ist Bayern der zweitgrößte Bildungsstandort Deutschlands. Daraus resultiert eine bedeutsame Verantwortung für die Vertretungsorgane der Studierenden – sowohl auf Ebene der Hochschulen, des Landes als auch in bundespolitischen Fragen. Als landesweites Vertretungsorgan einer so großen Studierendenschaft sind wir uns dieser Verantwortung bewusst und nehmen diese aktiv in unserem Handeln wahr.

Die Bereitschaft der Studierendenvertretungen Bayerns sich auf Landesebene einzubringen, hat in den letzten Jahren stets zugenommen. Allein in diesem Semester haben bereits mehr als 40 Studierendenvertretungen Delegierte für die Arbeit in der LAK Bayern gestellt. Zusätzlich haben wir durch die Gründung themenbezogener Arbeitsgruppen die Grundlage für ein engagiertes Mitwirken der lokalen Studierendenvertretungen an Landesthemen geschaffen. Gemessen an diesen Aktivitäten gehören wir damit zu den größten Landesstudierendenvertretungen Deutschlands.

Unser Auftrag ist es die Interessen aller Studierenden Bayerns zu vertreten. Wir vertreten die Studierenden in allen für sie relevanten Belangen entsprechend eines hochschulpolitischen Mandats und äußern uns im Rahmen der Verbändeanhörung sowie durch unsere Beschlüsse aktiv zu hochschulpolitischen Prozessen und Gesetzesvorhaben. Daher sind wir der natürliche legitimierte Ansprechpartner für das Bayerische Kultusministerium und die im Bayerischen Landtag vertretenen Parteien.

Nachdem die LAK Bayern diesen Vertretungsauftrag bereits seit mehr als 15 Jahren gewissenhaft ausübt, ist es nunmehr an der Zeit, ihn auch gesetzlich zu legitimieren. Daher fordern wir eine Festschreibung der LAK Bayern als legitimierte Landesstudierendenvertretung im Bayerischen Hochschulgesetz.

Das von der LAK Bayern beanspruchte hochschulpolitische Mandat würde damit eine rechtliche Anerkennung erfahren, welches die Rolle der Landesstudierendenvertretung in hochschulpolitischen Gesetzgebungsverfahren stärkt. Des Weiteren würde durch die gesetzliche Festschreibung die bereits vorhandene konstruktive Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Kultusministerium profes- sionalisiert sowie für die Zukunft verstetigt werden.

Außerdem unterstreicht die gesetzliche Festschreibung der LAK Bayern ihren Alleinvertretungs- anspruch für alle Studierenden Bayerns. Diese erhalten bereits jetzt durch die LAK Bayern ihre Stimme – daher ist es nur folgerichtig, die LAK Bayern als offizielle Vertretungsorganisation anzuerkennen.

In den nächsten Monaten werden wir unsere hochschulpolitischen Positionen weiter ausbauen und uns insbesondere mit den folgenden Themen beschäftigen:

Studentische Mitsprache

Fakt ist: Bayern ist das einzige Bundesland ohne verfasste Studierendenschaften.

Die Studierenden Bayerns sind in einer prekären Lage. Als Einzige in ganz Deutschland besitzen sie keine verfasste Studierendenschaft. Die Nichtverfasstheit bedeutet für die tägliche Arbeit einer Studierendenvertretung viele Herausforderungen.

Zum Beispiel besitzen sie dadurch kein Vertragsrecht; folglich müssen Verträge, die zwischen Studierendenvertretungen und Drittanbietern, wie z.B. den lokalen Verkehrsverbünden, vereinbart wer- den sollen, über Umwege durch das Studentenwerk, die Hochschule oder im schlimmsten Fall direkt als Privatperson geschlossen werden. Dies erschwert nicht nur die Arbeit, sondern kostet auch Zeit und Ressourcen.

Eine weitere Herausforderung für Studierendenvertretungen ist die fehlende Möglichkeit ihre Finanzmittel selbst zu verwalten. Ohne dies und ohne eine gesetzlich gesicherte Finanzierung der Landes- studierendenvertretung sind wir doppelt gefordert, das gute Engagement der Studierendenvertreter und Studierendenvertreterinnen aufrecht zu halten und weiter zu fördern.

Durch das Fehlen einer verfassten Studierendenschaft ist die Satzungsautonomie der bayerischen Studierendenvertretungen stark eingeschränkt. Den Studierendenvertretungen in Bayern ist es daher nicht erlaubt, ihre Struktur und Organisationsform frei zu wählen und ihren Bedürfnissen anzupassen; stattdessen wird die Struktur durch die jeweilige Hochschule vorgegeben und kann nur durch eine aufwändige Änderung der Grundordnung der jeweiligen Hochschule, die dazu noch die Mehrheit aller anderen Statusgruppen der Hochschule und der externen Mitglieder des Hochschulrats finden muss, angepasst werden. Dieser Mangel an Selbstbestimmung ist im bundesweiten Vergleich einzigartig und ein Negativbeispiel für Demokratisierungsprozesse an den bayerischen Hochschulen.

In diesem Kontext sei der Einleitungstext unseres aktuellen Beschlusses zur verfassten Studierendenschaft vom 01.04.2012 zu zitieren:

„Demokratische Partizipation und verantwortliche Mitgestaltung des gesellschaftlichen Lebens sind notwendige Basis einer demokratischen Gesellschaft, die die Teilhabe aller in ihr lebenden Indivi- duen voraussetzt. Da demokratische Partizipation im direkten Lebensumfeld der Menschen beginnt, ist es unabdingbar, auch an Hochschulen, im Rahmen einer verfassten Studierendenschaft, eine demokratische Organisation der StudentInnen und damit eine eigenverantwortliche Vertretung der Interessen der Studierenden zu ermöglichen.“

Die LAK Bayern fordert daher mehr studentische Mitsprache in allen hochschulpolitischen Angelegenheiten.

Studentische Mobilität

Fakt ist: Mit mehr als 70.500 Quadratkilometern ist Bayern das flächenmäßig größte Bundesland Deutschlands.

Die Hochschullandschaft in Bayern ist geprägt von der über Jahrzehnte lang praktizierten Regionalisierungsstrategie der Staatsregierung. Dieser Trend zeichnet sich auch für die Zukunft weiter ab. Es werden neue Hochschulstandorte abseits der großen Städte gegründet und gefördert, um die ländlichen Regionen zu stärken.

Studierende stehen somit oft vor der Wahl einen Studienplatz in einer Metropolregion einzunehmen und somit mit immensen Miet- und Lebenshaltungskosten konfrontiert zu werden, oder einen Studienplatz in einer ländlicher gelegenen Hochschule zu wählen, um somit schlechterer Infrastruktur und Anbindung ausgesetzt zu sein. Bei der Wahl des geeigneten Studienplatzes spielt dies eine bedeutende Rolle. Diese Überlegung ist vor allem von zwei Faktoren stark geprägt. Zum Einen die Art des Campus (zentraler oder verteilter Campus) und zum Anderen die Beschäftigungsmöglichkeiten im Umkreis des Studien- oder Wohnorts.

Mit den Anforderungen der heutigen Arbeitswelt wird es immer wichtiger, bereits während des Studiums Berufserfahrung in dem jeweiligen Fachgebiet zu erlangen. Im schlechtesten Fall existieren um die Hochschule, die einen bestimmten Studiengang anbietet, keine oder ungenügend Angebote für Studierende in diesem Bereich zu arbeiten. Hier ist es notwendig, dass Studierende die Mobilitätbesitzen in einen weiter entfernten Ort zeitnah zu gelangen, um einer geeigneten Tätigkeit nachgehen zu können.

Die Art des Campus nimmt des Weiteren großen Einfluss auf die Mobilität der Studierenden. Ist diese bei einem zentralen Campus meist nicht von Notwendigkeit, so wird sie umso wichtiger, je verteilter der Campus ist. Auch wird die zunehmende Kooperation verschiedener Hochschulen in gemeinsamen Studiengängen bei aktuellen Planungen nicht berücksichtigt.

Ein weiterer Faktor ist der stetig steigende Mietspiegel, der in den immer größer werdenden Städten Bayerns zu verzeichnen ist. Unter diesen Umständen sind viele Studierende gezwungen, trotz zentralem Studienplatz, immer weiter an den Rand der Stadt oder gar in die ländliche Umgebung zu ziehen. Somit wird neben der stadtweiten Mobilität auch die regionale Mobilität immer wichtiger.

Wir fordern daher eine landesweite, einheitliche Lösung für alle Studierenden Bayerns, um im gesamten Land kostengünstig mobil zu sein.

Digitale & moderne Hochschulen

Fakt ist: Die meisten Hochschulen haben sich noch keine Digitalstrategie zurechtgelegt.

Digitalisierung ist im Wirtschaftsstandort Deutschland das Schlagwort, an dem der Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens abzuhängen scheint. Je weiter die Digitalisierung fortgeschritten ist, desto wettbewerbsfähiger ist das Unternehmen. Dieser Trend zeichnet sich inzwischen seit Jahren deutlich in der Wirtschaft ab. Doch scheinbar haben noch nicht alle Hochschulen die Zeichen der Zeit erkannt und sich der Digitalisierung geöffnet. In diesen Zeiten ist es nicht tragbar, dass sich Hochschulen nicht an der Spitze der technologischen und gesellschaftlichen Trendwende befinden. Und dies, obwohl sie neben ihrem Lehrauftrag auch einen Forschungsauftrag besitzen, um genau diesen Trends voranzustehen und sie zu beeinflussen.

Betrachtet man die Verwaltungslandschaft der Hochschulen, lässt sich feststellen, dass diese weiterhin von einer Vielzahl analoger Prozesse sowie aufwändiger Bürokratie geprägt ist. Hier müssen umfassende Modernisierungsmaßnahmen getroffen werden und die Digitalisierung nicht als Gefahr, sondern Chance verstanden werden.

Doch nicht nur die Verwaltung bedarf einer digitalen Evaluation, auch die Lehre muss in diesem Punkt deutlich nachziehen. Eine Hochschule bildet die akademische Zukunft des Landes aus und sollte daher bereits in der Ausbildung darauf achten, nicht nur den aktuellen Lehrstoff zu vermitteln, sondern immer auch auf dem modernsten wissenschaftlichen Stand zu lehren und ihn gleichzeitig kritisch zu betrachten und kontrovers zu diskutieren. Viele moderne Erkenntnisse der Lerntheorie beschäftigen sich mit den Vorteilen des Einsatzes digitaler Medien, sei es im Rahmen des „E-Learning“ oder des „Blended Learning“, sodass es Zeit wird, dass die Hochschulen diese wissenschaftlichen Erkenntnisse in ihrer täglichen Lehr- und Lernpraxis zur Anwendung bringen.

Nicht zu vernachlässigen ist zudem die zeitgemäße Ausstattung der Hochschulen. Denn zu einer Digitalisierungsstrategie gehören oftmals auch bauliche Maßnahmen, wie z.B. die Verbesserung der Raumbeschallung oder die ausreichende elektronische Ausstattung in den Hörsälen.

Wir sehen in der Digitalisierung ein enormes Verbesserungspotential und fordern daher, dass jede Hochschule im Bildungsstandort Bayern eine Digitalstrategie erlässt.

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